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Wie überleben andere Comic-Künstler?

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"Was ist heute wichtig für Zeichner und Autoren"
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GrBa_S - 14.08.16 16:00
Interview mit Barbara Yelin, vielfach ausgezeichneter Comiczeichnerinn aus München. Barbara hat Illustration an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften HAW Hamburg studiert. Als Comiczeichnerin ist sie zuerst in Frankreich durch die Bände „Le visiteur“ und „Le retard“ bekannt geworden. Auf Deutsch hat sie u.a. „Gift“, „Riekes Notizen“ und zuletzt „Irmina“ veröffentlicht. Für „Irmina“ wurde sie u.a. mit dem Münchener PENG-Preis (2015) sowie 2016 dem Erlanger Max- und Moritz Preis als beste deutschsprachige Comic-Künstlerin ausgezeichnet.
Das komplette Interview findet ihr auf www.totleger.org/interviews

-Deine ersten beiden Comicwerke, „Le visiteur“ und „Le retard“ sind auf Französisch erschienen. Wie kam es dazu?
B.Y.: Das kam eigentlich eher zu mir: „Le visiteur“ war eigentlich meine Diplomarbeit. Und man kann eigentlich auch nicht sagen, dass es auf Französisch erschienen ist – weil es nämlich keine Worte hat; es handelt sich sozusagen um ein Märchen für Erwachsene, das viel Raum für Assoziationen lässt. Der Verleger Thierry Groensteen kam damals auf mich zu, als er für seinen neu gegründeten Verlag „Edition de l’an 2 – Actes Sud“ auf der Suche nach Projekten war. Das war natürlich ein riesiger Glücksfall für mich. Thierry war es auch, der mir dann vorschlug, noch ein zweites Buch zusammen zu machen – das wurde dann ein „richtiger“ Comic, mit Sprechblasen etc.. [...]

-Wie hast du bei deinen Werken gearbeitet?
B.Y.: Für „Le visiteur“ ausschließlich mit Bleistift und Radiergummi, bei „Le retard“ mit Buntstiften, die aber nicht wasservermalbar waren. Beim nächsten Comic, „Gift“, habe ich dann wieder mit Bleistift gearbeitet, und bei „Irmina“ war von allem etwas dabei. Durch die Wasservermalbarkeit der Stifte kann ich Fläche schaffen, wobei die Lebendigkeit der Striche trotzdem erhalten bleibt. Das ist mir wichtig, dass man immer den Prozess sehen kann. Also, ich lege eine Skizze zugrunde, die ich dann immer weiter ausarbeite; manchmal setze ich zum Schluss noch mit weißer Gouache ein paar Highlights. Der Rechner kommt bei mir nur am Schluss zum Einsatz, in der Nachbearbeitung.

- Wie hast du für „Irmina“ z.B. das Lettering gestaltet?
B.Y.: Das habe ich selbst geschrieben, auf einem separaten Blatt, und dann eingescannt und zugeordnet. Damit das alles im Druck dann organisch aussieht und alle Farben - auch die der Zeichnungen natürlich - gut rauskommen, bin ich auch extra in die Druckerei gefahren und habe darauf viel Sorgfalt verwandt.
Für die ausländischen Ausgaben von „Irmina“ habe ich mir mittlerweile allerdings einen Fonts meiner eigenen Handschrift machen lassen. [...]

- Und wie bist du ursprünglich auf die Idee gekommen, Comics zu machen?
B.Y.: Dazu hat mich eigentlich Anke Feuchtenberger inspiriert, die an der Uni meine Professorin war. Ich habe als Kind schon immer gerne geschrieben, habe es dann aber irgendwie vergessen. Weil ich auch schon immer gerne gezeichnet habe, habe ich dann Illustration studiert. Dass man beides verbinden kann – zeichnen und erzählen – ist mir erst während des Studiums aufgegangen. Ich habe aber dann noch lange gebraucht und daran arbeiten müssen, einen wirklichen Zugang zum Erzählen zu finden, wenn es um so Fragen geht wie: Wie baue ich (m)eine Geschichte auf, wie verläuft die Dramaturgie, der Spannungsbogen; was ist der Höhepunkt, was die Schlüsselfrage - worum geht es eigentlich?
Wir haben eine Erzähltradition, die man bedient oder bricht, aber die man nicht einfach negieren kann. [...]

- Dein aktuelles Werk, „Irmina“, hast du selbst gezeichnet und auch selbst den Text entworfen. Für das vorige Werk, „Gift“, hast du mit dem Autor Peer Meter zusammen gearbeitet. Wird dein zeichnerischer Stil oder deine Arbeitsweise davon beeinflusst, ob du alleine oder mit anderen zusammen arbeitest?
B.Y.: Also, ich würde jetzt nicht sagen, „Gift“ sieht total anders aus als „Irmina“, weil ich mit einem Autor zusammen gearbeitet habe. Der Stil muss zur Geschichte passen, sie unterstützen – das ist mir wichtig. Es kommt immer zuerst die Story, die Frage: Was will ich eigentlich erzählen? Und danach richtet sich dann der Stil. Das heißt jetzt nicht unbedingt, dass die Story schon beim Beginn der zeichnerischen Arbeit komplett ausgearbeitet sein muss, aber der Stil der Zeichnung ordnet sich der Idee der Story unter und nicht umgekehrt. [...]

- Du hattest und hast ziemlich viele Lesetermine für „Irmina“, habe ich auf deiner Homepage gesehen. Wie gestaltest du deine Lesungen?
B.Y.: Ich versuche, so viele Bilder zu zeigen wie möglich – der Beamer ist also sehr wichtiges Werkzeug für die Lesungen! Für „Irmina“ z.B. habe ich mir Szenen ausgesucht, die ich besonders wichtig finde, und die Seiten in einzelne Panels zerschnitten. Dann zeige ich Panel für Panel und lese die Texte auch teilweise vor. Das funktioniert ganz gut; zwischendurch erzähle ich vom Arbeitsprozess, zeige Skizzen und erzähle, warum ich mich für diese Geschichte entschieden habe. Ich würde sagen, durch dieses Präsentieren von Skizzen, Storyboards und Recherchematerialien kann bei einer Comiclesung sogar mehr Dialog mit den Lesern entstehen, als wenn z.B. ein Romanautor lediglich ein fertiges Kapitel nach dem anderen vorliest.
[...]

-Du hast schon viele Workshops im Ausland gegeben, z.B. in Ägypten, Indien oder dem Kosovo. Welcher davon ist dir besonders im Gedächtnis geblieben? Welche Unterschiede zu deutschen Comickünstlern hast du festgestellt?
B.Y.: Dazu muss ich zunächst sagen, dass das zum Teil unterschiedliches Publikum ist. Ich habe z.B. drei Jahre lang das Comicseminar in Erlangen gegeben, und da sitzen Leute drin, die schon sehr viel können, sehr weit Fortgeschrittene. Wenn man dagegen z.B. für das Goethe-Institut etwas macht, sind das häufig Leute, für die das Medium Comic sehr neu ist, auch wenn sie schon Zeichenerfahrung haben, oder teilweise sind es dort auch interessierte Jugendliche
Der spannendste Workshop war der im Kosovo, in Pristina. Dieser Ort hat eine sehr junge, heftige Geschichte, du bist da umgeben von vielen Kriegs- und Verdrängungsschauplätzen. Hinzu kam, dass der Workshop eine spannende, aber ziemlich komplexe Themenstellung hatte – die von den Veranstalterinnen kam – nämlich, was verbindet einen Ort mit Geschichte, mit Erinnerung, und zwar in der Tradition von W.G.Sebald, der in seinen Romanen Bildfundstücke verwendet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus Deutschland, Belgien, Serbien Slowenien, Kosovo, Kroatien… Dabei war noch Ute Friederich, eine Literaturwissenschaftlerin, als Co-Leiterin. Und wir waren da den ganzen Tag in einem fast fensterlosen Raum im Erdgeschoss eines riesigen Plattenbaus in Pristina, wo man auch immer etwas Wasser tröpfeln hörte… das war schon eine intensive Atmosphäre. [...]
Was mir noch aufgefallen ist: Wir Zeichner hier konzentrieren uns sehr auf uns selbst, erzählen von uns selbst. Das würde man in Ägypten z.B. nicht unbedingt machen. [...]

-Zurück nach Deutschland: Was wünscht du dir für die deutsche Comicszene?
B.Y.: Ich würde sagen: an allen Ecken weitermachen! Wichtig wäre es sicher, mehr Leserinnen und Leser zu gewinnen, denn im Moment ist es teilweise so, dass die vielen verschiedenen Sachen, die gerade entstehen, in dieser Breite gar nicht bei der Leserschaft ankommen. Denn leider ist es ja oft so, was vorne in den Läden liegt, wird noch angeschaut, was weiter weg entfernt in einem Regal steht, schon nicht mehr. Und da arbeiten ja auch alle Comicverlage dran, da mehr durchzudringen, aber da liegt schon noch ein ganzes Stück Weg vor uns. Und dass die Diskussion um Comics versus Graphic Novels befriedet wird: Es gibt einfach eine unheimliche Diversität im Bereich Comicliteratur, und umso breiter die aufgestellt ist, umso cooler ist es doch eigentlich. Ich mache ja auch nicht Comics aus der Überlegung heraus, welches Segment ich bedienen möchte, sondern aus der Frage heraus, was mich interessiert.

[...]
Ich bin sehr happy, dass ich jetzt seit einigen Jahren vom Comicmachen leben kann, aber trotzdem mache ich noch Illustrationsjobs und lebe ja auch kein besonders luxuriöses Leben. Und ohne die Lesungen und Workshops würde es auch nicht gehen. Das ist aber ja bei anderen Künstlern, z.B. Romanautoren, auch nicht viel anders, ohne einen Super-Bestseller wird’s für die auch schwierig, davon zu leben. Wobei es in der Literaturszene allerdings deutlich mehr Förderung gibt als für Comicschaffende, z.B. durch Preisgelder oder Stipendien. Ohne Förderer wie das Goethe-Institut, die auch das Medium Comic ernst nehmen, wäre es wirklich noch einmal viel schwieriger.

-Und deine Pläne für zukünftige Projekte?
B.Y.: Es wird in den nächsten Jahren auch wieder ein größeres Projekt geben, aber dazu kann ich im Moment noch nicht so viel sagen, außer dass es definitiv kein historisches Thema sein, sondern in der Jetztzeit spielen wird. Und dass mehr Protagonisten im Mittelpunkt stehen werden, nicht nur eine einzelne Person. Es ist mir schon wichtig, in den Themen auch divers zu bleiben – deswegen habe ich ja z.B auch „Riekes Notizen“ zwischendurch gemacht.


Weitere Informationen über Barbara Yelin unter:
http://barbarayelin.de/

 
GrBa_S - 20.07.16 12:51
Interview mit Marie Sann, Comickünstlerin und Illustratorin aus Berlin. Marie hat bereits parallel zum Abitur ihre ersten Werke veröffentlicht. 2013 erschien eine von ihr gezeichnete Adaption des Romans „Frostfeuer“ vom Bestsellerautor Kai Meyer. Das Interview entstand am Rande des Comic-Salons Erlangen und ist in voller Länge und bebildert zu finden unter http://www.totleger.org/interviews/kuenstler-interviews
Weitere Informationen über Marie Sann findet man auch auf ihrer Homepage http://www.marie-sann.de

- Du hast viel im Manga-Stil gezeichnet, z.B. „Krähen“ oder auch „Frostfeuer“ – ist das richtig?
M.S.: Also, Frostfeuer würde ich schon nicht mehr als reinen Manga-Stil bezeichnen. Ich habe „Sketchbook Berlin“ gemacht, da war ich 19 – gleichzeitig mit dem Abitur – das war reiner Manga-Stil, und „Krähen“ war auch noch Manga; aber „Frostfeuer“ war schon eine Mischung. Es hatte etwas von dem, was ich vom Manga-Zeichnen gewohnt war und kannte, ging aber auch schon ein bisschen in die franko-belgische Richtung.

[...]
- Wie würdest du dich selbst beschreiben? Ich nehme mal an, nicht als Mangaka?
M.S.: Nein, ich bin Illustratorin und Comic-Zeichnerin.

- Für „Krähen“ und „Frostfeuer“ hast du jeweils mit einem Texter zusammengearbeitet. Wie lief die Zusammenarbeit ab, hast du zuerst die Texte bekommen und dazu Bilder entworfen oder habt ihr gemeinsam ein Szenario festgelegt?
M.S.: Bei „Krähen“ war es ein guter Freund, der selbst Comiczeichner ist und da dann einmal als Autor fungiert hat: Guido Neukamm. Mit ihm habe ich mich zusammengesetzt und die Storyboards gemeinsam entwickelt, und von Guido habe ich auch ganz viel gelernt übers Comiczeichnen.
Bei „Frostfeuer“ ging das vom Splitter Verlag aus. [...]

- Was genau hast du denn von Guido Neukamm gelernt?
M.S.: Also, als ich 16 war, habe ich an einem Manga-Talentwettbewerb teilgenommen und Illustrationen hingeschickt, und bis dahin hatte ich auch nur Illustrationen gemacht. Dann habe ich den Wettbewerb tatsächlich gewonnen, und da kam der Tokyopop-Verlag auf mich zu und hat gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte, einen Manga mit ihnen zu veröffentlichen. Vorher hatte ich gar nicht daran gedacht, je Comics zu machen. Aber Guido war schon damals ein guter Freund von mir, und er schlug vor, dass wir das ja gemeinsam angehen könnten. Und das war toll: Von ihm habe ich gelernt, wie man Storyboards anlegt, mit Sprechblasen umgeht, wie man den Inhalt auf wenig Platz in Bildern transportiert, Storytelling… eigentlich einfach alles, was fürs Comiczeichnen wichtig ist!

[...]
- Was sind denn deine Lieblingsarbeitswerkzeuge?
M.S.: Meistens arbeite ich digital; „Frostfeuer“ z.B. ist komplett digital entstanden; auch die Vorzeichnungen sind mit Tablet und Pen entstanden. Auch mein neues Pinup-Projekt entsteht digital. „Krähen“ dagegen ist mit Bleistift gezeichnet.

[...]
- Was sind deine wichtigsten aktuellen Projekte?
M.S.:Das ist zum einen das Pinup-Projekt „Kinky Karrot“. Im Moment existieren dazu lediglich die Illustrationen, aber ich arbeite derzeit auch an einem Artbook, in dem die Illustrationen mit erotischen Comic-Kurzgeschichten kombiniert werden. Bei denen werde ich mit ganz verschiedenen Autoren zusammenarbeiten, da freue ich mich schon sehr darauf.
In meinem Webcomic-Projekt „Sputtlichkeiten“ zeichne ich Alltagsgeschichten von mir und meinem Hund, und solche lustigen kleinen Funny-Stories mache ich gerne selbst. Aber für größere, „ernsthafte“ und längere Comics nehme ich mir gerne Autoren, weil ich es schön finde, mit anderen Kreativen zusammenzuarbeiten. [...]

- Wer oder was hat dich neben Guido Neukamm in deinem Werdegang beeinflusst? Gab es Vorbilder?
M.S.: Meine Eltern haben mich beeinflusst, weil die mich schon ganz früh sehr stark unterstützt haben in dem, was mich schon als kleines Kind begeistert hat, nämlich dem Zeichnen. Man kann es sicher auch so schaffen, wenn man einen großen Ehrgeiz hat – den habe ich auch – aber wenn man Unterstützung hat von den Liebsten, dann ist das natürlich enorm wertvoll. [...]

- Es gibt ja gerade auch im Manga-Bereich viele Mädchen, die von einer Zeichenkarriere träumen. Talent ist aber nicht alles, oder?
M.S.: Man muss es wirklich wollen, weil es auf jeden Fall hart ist. Hart zum einen, weil es viele Zeichnerinnen und Zeichner gibt, also viel Konkurrenz; aber auch dieses Dranbleiben, um wirklich davon leben zu können – da braucht man ein dickes Fell und muss wirklich überzeugt sein von dem, was man tut. Sonst schafft man es nicht lange, auf dem Markt zu existieren. Und natürlich ist es gut, sich abzuheben von anderen, um im Gedächtnis zu bleiben, aufzufallen.
[...]

- Du bist ja schon seit Anfang der 2000er Jahre dabei, wenn ich das richtig sehe: 2003 hast du den Talent-Wettbewerb gewonnen, dann kam 2006 das „Sketchbook Berlin“ und 2009 „Krähen“. Was hat sich in der Comic-/Grafikbranche seitdem verändert?
M.S.: Also, ich weiß nicht, ob ich da die richtige Ansprechpartnerin für einen Überblick über den Markt bin; ich bin eigentlich immer sehr bei mir und bei dem, was ich mache und was die direkten Kolleginnen und Kollegen so treiben.
Ich weiß nur, wie schwer es mir gefallen ist, mich freizukämpfen bei meinem Übergang vom Manga zum Comic – da wird ja immer sehr unterschieden. Als ich dann bei Splitter war und „Frostfeuer“ gezeichnet habe, fiel es mir total schwer, die Leute auf Conventions etc. zu überzeugen, dass ich gute Sachen mache und nicht „nur dieses Manga-Mädchen“ bin. Das war sehr anstrengend, mich da zu beweisen. Aber ich weiß nicht, ob diese Grenzen heute immer noch so starr sind, diese Kluft zwischen Manga- und Comicfans. Es sind ja einfach nur unterschiedliche Stile, Geschmackssache. Ich finde es eigentlich schade, dass das so sehr getrennt voneinander läuft.
 
GrBa_S - 02.11.14 19:53
TeMeL hat's schon geschafft: Sie hat einen Verlag gefunden. TeMeL (alias Thekla Barck) machte sich Anfang 2013 nach der Veröffentlichung ihres ersten Comic-Albums „Wohlstand“ selbstständig.
Das ganze, sehr ausführliche Interview und Bilder dazu gibt's zu lesen unter http://www.totleger.org

[...]
- Wie bist du auf die Idee zu "Wohlstand" gekommen? Kannst du kurz etwas zum Entstehungsprozess sagen?
T: Zunächst einmal hatte ich eine Grundidee, bei der es erst mal ganz vage um einen totalen Überwachungsstaat ging, der den „Wert“ seiner Bürgerinnen und Bürger nach der Nützlichkeit für den Arbeitsmarkt beurteilt. Dann habe ich diese Idee weiter gesponnen – ich habe mich gefragt: wer könnte der Held oder die Heldin sein, und was will ich eigentlich überhaupt erzählen?
Ich habe mir ein Individualschicksal ausgedacht und vor diesem Hintergrund die Details der „Wohlstand-Welt“ entworfen – wie sieht es da überhaupt aus, wo meine Heldin lebt? Schließlich habe ich eine Art Drehbuch für meine Geschichte geschrieben, die ich zunächst übrigens als Kurzgeschichte geplant hatte, aber je länger sie wurde in meinem Kopf, desto mehr Bilder kamen auch dazu. Und als das „Drehbuch“ dann fertig war, ging es ans Zeichnen – das war dann sogar der einfachste Teil des Ganzen, einfach abarbeiten sozusagen. [...]

- Wie hast du dich dann motiviert, durchzuhalten?
T: Ich bin, glaube ich, generell ein eher selbstdisziplinierter Mensch, also habe ich das Arbeiten an „Wohlstand“ über einen längeren Zeitraum hinweg nicht als Problem empfunden. Ich hatte ja, wie oben beschrieben, mein „Drehbuch“, das ich dann zeichnerisch abgearbeitet habe. [...]
Nachdem sich ein Verlag gefunden hatte, hat mich natürlich auch das Wissen, dass das Werk bald veröffentlicht wird, motiviert, ich konnte mir sagen: jetzt sind’s noch 23 Seiten, bis es publiziert wird… und jetzt noch 21… und so weiter. [...]

- Ich möchte auch noch einmal auf die Technik, das Handwerkszeug kommen: Ich habe gelesen, dass du auf A3-Blätter gezeichnet und getuscht hast – wie hast du diese Blätter dann verkleinert und digitalisiert?
T: Ja, das mit den A3-Blättern stimmt. Zuerst habe ich alles mit der Hand vorgezeichnet, und habe die Vorzeichnungen dann mit Tusche auf Aquarellpapier übertragen. Auf diesen Tuschezeichnungen habe ich dann auch direkt von Hand koloriert – das Verfahren nennt sich „Couleur directe“, und ist etwas riskant, denn wenn einem dabei ein Fehler unterläuft, müsste man die Seite natürlich noch einmal ganz neu tuschen. Eingescannt habe ich sie dann mit einem ganz normalen, handelsüblichen Scanner – ich besitze keinen A3-Scanner, das funktioniert auch problemlos mit einem A4-Scanner und Photoshop. Man scannt 2 Bildhälften ein und lässt sie anschließend vom Computer zusammenrechnen. Auch das Titelbild ist auf diese Weise gescannt worden.
Bis zum Scannen arbeite ich also auf ganz traditionelle Art und Weise von Hand. Die Sprechblasen und den Text habe ich danach am Rechner eingefügt, und die Bilder auch einer digitalen Nachbearbeitung unterzogen – Staub und Kratzer entfernt, die Ränder schön gemacht etc..

- Den Text hast du auch am PC eingefügt?
T: Ja, meine Handschrift zu entziffern, wäre jetzt nicht so ein Vergnügen für die Leser geworden, glaub ich – da hat mir mein Verleger einen Schriftfont zukommen lassen, der meiner Meinung nach auch gleich super gepasst hat.
Fonts käuflich zu erwerben, kann ich auch jedem nur empfehlen, die Schriften sind z.T. deutlich professioneller und schöner als Freeware, und die Kosten liegen oft bloß im zweistelligen Bereich. Außerdem unterstützt man damit andere Künstler, die häufig hinter der Entwicklung einer solchen Schriftart stehen.
Und nachdem dann alles zusammengefügt und „geglättet“ war, habe ich das Ganze an den Verleger geschickt, bis auf ein paar Probedrucke vorher habe ich das fertige Comic also gar nicht in Papierform gesehen, bis dann das Paket mit den fertigen Eigen-Exemplaren bei mir zu Hause ankam…!

- Du hast grafische Literatur für dich als Medium entdeckt, Gesellschaftskritik zu betreiben – wie ist es dazu gekommen?
T: Ich würde sagen, latentes politisches Interesse war schon immer vorhanden. [...] Ein bisschen war [...] der Zufall im Spiel – aber das ist auch ein Reifeprozess, denke ich: Irgendwann fängt man mit dem Zeichnen an, meistens ja schon als Kind, und wenn man dabeibleibt, trifft man später dann bewusster seine Wahl, fängt an zu überlegen: was will ich denn überhaupt zeichnen und erzählen?
Das hängt auch von den Ereignissen ab, die auf der Welt und um einen herum passieren.
Ich finde den Gedanken spannend, dass ich mit Zeichnen etwas bewegen kann, dass jemand anfängt, über Dinge nachzudenken, über die er oder sie vorher vielleicht noch nicht nachgedacht hatte.
Diese Nachhaltigkeit ist mir wichtig: Ich möchte, dass das, was ich mache, nicht einfach nach dem Lesen verpufft. [...]

- Worin liegt denn die besondere Herausforderung, Graphic Novels als gesellschaftskritisches Instrument zu benutzen?
T: Die Herausforderung besteht darin, dass man seine Meinung so darlegt, dass sie verstanden wird, aber Freiraum auch für eigene Deutungen bleibt. Denn irgendeine Wertung durch den Künstler ist immer dabei, das lässt sich gar nicht vermeiden. Trotzdem sollte für die Leser eine Möglichkeit bleiben, sich eine eigene Meinung zu bilden. Dies zu erreichen, ist eine Gratwanderung, denn natürlich soll meine Meinung nicht zu „holzhammermäßig“ rüberkommen. Außerdem macht man sich durch die Darstellung seiner eigenen Meinung auch angreifbar, verletzlich, damit muss man als Künstler aber wohl leben. [...]

- Beschreibe doch bitte einmal kurz deinen Werdegang!
T: Bis Ende der Schulzeit war ich nur privat künstlerisch tätig – das lag zum Teil auch am schulischen Kunstunterricht, mein damaliger Kunstlehrer konnte mit Comics nicht so viel anfangen; aber trotzdem habe ich dann Mediendesign studiert. Gegen Ende des Studiums stand dann die Entscheidung an, ob ich Designerin werden möchte, aber ich habe schnell gemerkt, ich möchte einen Beruf, bei dem ich mehr zeichnen kann. Ich hatte schon in verschiedenen Anthologien veröffentlicht und mich deshalb dann nach meinem Abschluss entschlossen, selbständige Illustratorin zu werden, sicherlich ein Wagnis, aber das klappt ganz gut bis jetzt. „Wohlstand“ ist auch gegen Ende meines Studiums entstanden.
Ich bin eigentlich immer dem Motto gefolgt „Folge deinem eigenen Ziel, deinen eigenen Wünschen, sonst bereust du es später, und wenn es schiefgehen sollte, kannst du ja immer noch etwas anderes machen.“

- Und seit wann zeichnest du?
T: Im Vergleich zu heutigen jugendlichen Zeichnern habe ich eher spät damit angefangen das Zeichnen ernsthaft zu betreiben: Mit 15, 16 habe ich mich zum ersten Mal an durchgehenden Geschichten versucht, und als ich so um die 20 war, wurden die Geschichten dann immer länger.
Ich hatte aber immer schon Spaß am Geschichtenerzählen, und auch Bilder dazu im Kopf, anfangs fehlte aber noch ein bisschen die Disziplin, längere Storys durchzuhalten.

- Wie gut muss man denn überhaupt zeichnen können, um eine Karriere als Comickünstlerin anzustreben?
T: Das Zeichentalent macht nur 50% aus, um Comiczeichner zu werden, würde ich sagen! Es braucht noch andere Dinge, wenn man das wirklich professionell machen möchte: Disziplin und Durchhaltevermögen sind nötig und auch das Talent, ein Drehbuch zu schreiben, also eine schlüssige Handlung aufzubauen und Spannungsbögen zu konstruieren. Und wenn’s dann auf die Veröffentlichung ankommt, braucht man auch eine gewisse Bissfestigkeit und Hartnäckigkeit. Ein gewisses Marketingtalent kann auch nicht schaden: Nur ein paar tolle Zeichnungen zu präsentieren, reicht nicht. Man hilft dem Verlag bei der Entscheidung, wenn man der Zeichenmappe z.B. auch Ideen zur Vermarktung beilegt, den Spannungsbogen erläutert oder ähnliches. [...]

- Was sind deine wichtigsten aktuellen Projekte?
T: Aktuell arbeite ich an einem größeren Projekt, das voraussichtlich 2015 erscheinen wird, im Moment halte ich aber noch geheim, worum es da geht!
Mein Web-Comic „Ich putz hier nur“, der seit 2011 lief, habe ich mittlerweile beendet, im September 2014 startete ein neuer Web-Comic, mit anderem Zeichenstil, neuen Charakteren und in einem anderen Format, wodurch sich neue Möglichkeiten ergeben, das Stripformat fand ich jetzt, nach drei Jahren, dann nicht mehr so spannend. Die Kommunikation mit meinen Lesern ist mir dabei sehr wichtig: z.B. habe ich sie per Twitter gefragt, wie wichtig ihnen Sprechblasen sind, als ich mir darüber Gedanken gemacht habe für mein neues Webcomic-Projekt.
Daneben bearbeite ich natürlich grafische Aufträge, die Miete will ja schließlich auch bezahlt werden!

- Ich habe gelesen, dass du eine „Lobende Erwähnung“ für „Anders“ erhalten hast. Kannst du das noch näher beschreiben?
T: „Anders“ war ein Projekt mit anderen zusammen. Mario Bühling von http://www.katzenfuttergeleespritzer.de war der Initiator: Jeder hat eine Kurzgeschichte zum Thema Horror entwickelt, die durch eine Rahmenerzählung zusammengehalten wird, dadurch erhält der Leser natürlich einen Mix von ganz verschiedenen Zeichenstilen. [...]

- Und zum Schluss: Was wünschst du dir für dein zukünftiges Schaffen?
T: Hm, mal überlegen, jede Menge weiterer Auszeichnungen? (lacht).
Nein, wenn ich näher nachdenke, reicht es mir, gelesen zu werden und veröffentlichen zu können. Ich möchte, wenn ich alt bin und auf mein Schaffen zurückblicke, sagen können: Ich habe ein paar Dinge veröffentlicht, die die Menschen bewegt und die sie gerne gelesen haben.
Man sollte Erfolg nicht so sehr an Lesezahlen, Klicks, Preisen etc. festmachen. Spaß an der Freude ist wichtig, Geld wird jeden Tag aufs Neue gedruckt, da bin ich wahrscheinlich ganz Künstlerin und Idealistin!

Weitere Informationen über TeMeL gibt es auf http://www.temel-art.de
 
GrBa_S - 18.10.14 17:08
"Comixfactory" im Interview: Ralf Marczinczik ist Preisträger des besten Fußball-Comics 2013 der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur mit „Niemandsland“. Veröffentlichungen: U-Comix, „The Art of Gothic 3“, div. Buch- und Magazincover sowie Computerspiele.

- Beginnen wir mit einer Standardfrage: Seit wann zeichnest du?
R.: Das lässt sich kurz und knackig beantworten: Seit ich drei bin, und seither habe ich nie damit aufgehört – heute bin ich übrigens 47.

[...]
- Dann beschreibe doch bitte einmal kurz deinen Werdegang vom Art Director zum Comiczeichner!
R.: Nach meinem Grafikdesign-Studium in Essen bin ich zunächst mal beim Animationsfilm gelandet und habe z.B. meinen bescheidenen Beitrag zu „Petzi“ und „Die Sendung mit der Maus“ geleistet. Dann kamen die Computerspiele richtig groß raus, und ich hatte das Glück, als Art Director an bekannten Titeln mitarbeiten zu können [...]. Dann habe ich mit einem Fußball-Comic einen Wettbewerb gewonnen, und damit war die Motivation gegeben, eigene Projekte anzugehen. Und jetzt möchte ich endlich auch mal der eigenen Muse folgen und meine Comic-Ideen veröffentlichen – wohl wissend, dass ich damit vermutlich meinem finanziellen Ruin entgegensehe (lacht)!

[...]
- Was sind deine wichtigsten aktuellen Projekte?
R.: Da wäre zum einen mein Großprojekt, „Weiße Lügen“ – so der Arbeitstitel – ein historischer Krimi, der im Bergbaumilieu spielt, da steckt also ein bisschen Charles Dickens in der Story.
Und dann mein Webcomic „Das Wunder“, von dem ich jede Woche eine Seite auf meiner Homepage und hier auf toonsup veröffentliche, wobei das Wunder von Bern - der deutsche WM-Sieg 1954 - als roter Faden dient.

- Was ist das Faszinierende an Fußball im Comic?
R.: Tja, mit Fußball selbst habe ich eigentlich auch nicht übermäßig viel am Hut. Bei „Das Wunder“ handelt es sich mehr um eine Zeitbetrachtung. Die Fußball-WMs von 1954 und 2006 bilden sozusagen die zeitliche Klammer der geschilderten Episoden. Mich fasziniert daran die gesellschaftliche Dimension: Der WM-Sieg von Bern – und das Wirtschaftswunder der Nachkriegsjahre, das damit zusammenhängt – hat die deutsche Seele verändert, und ähnliches ist passiert bei der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land. Das versuche ich so ein bisschen auszuloten mit meinem Webcomic.

- Auch Dein ‚Bergbaucomic‘ „Weiße Lügen“ hat ja eine gesellschaftliche Dimension, denke ich.
R.: Ja, das Gesellschaftliche spielt dort auch eine Rolle – die Geschichte der Arbeiterbewegung schwingt da mit, und die irre harten Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen damals in den Grubenschächten. Das ist mir auch sehr wichtig bei ‚Weiße Lügen‘, ich möchte nicht nur einen Krimi erzählen oder nur Historie darstellen, sondern auch die humanistische Komponente dabei schildern.

- Worin liegt die besondere Herausforderung, Bergbau in einer Graphic Novel darzustellen?
R.: Oh, da gibt es gleich mehrere Dinge: Im Gegensatz zu einem Roman z.B. bekommt man als Leser die rauen Lebensbedingungen dabei automatisch mit, eben durch die grafische Darstellung, das muss ich gar nicht extra durch Text betonen. Das gibt mir dann die Möglichkeit, anderes mit einzubeziehen. Und stellt mich natürlich andererseits vor die Herausforderung, das grafisch gut rüberzubringen! [...]

- Hast du zuerst die Bilder im Kopf oder die Story?
R.: Das geschieht eigentlich parallel. Mir fällt ein Thema ein, und dann überlege ich, wie ich die Geschichte dazu von ihrer Struktur und Architektur her am besten aufbaue, damit sie so funktioniert, wie ich mir das vorstelle. [...]

- Viele Hobbyzeichner finden es schwierig, bei einer längeren Geschichte auch über einen längeren Zeitraum hinweg am Ball zu bleiben. Wie motivierst du dich, durchzuhalten?
R.: Also, eines ist ganz klar: Von Graphic Novels allein kann man nicht leben! [...] Da empfiehlt es sich, einen guten Plan für solche „Herzensprojekte“ zu haben, und den ab und zu abzuchecken, in sich zu gehen und zu fragen, will ich das noch, und ist meine Zeitplanung noch realistisch.
Bei mir war es so, dass ich „Weiße Lügen“ z.B. vor vier Jahren konzipiert habe. Beim Comic-Zeichner-Seminar 2013 in Wolfenbüttel, also vor einem Jahr, hat FLIX mir dann Mut gemacht, und sein Lob hat mich angespornt, das Ganze wirklich durchzuziehen.

- Hast du denn dann einen Verlag dafür?
R.: Ja, und das ist natürlich auch eine Motivation. Das hat sich auch über den Comic-Salon 2012 ergeben, dass da ein Verlag erstes Interesse an einer Veröffentlichung gezeigt hat. Realistisch betrachtet kann der erste Teil von „Weiße Lügen“ vermutlich in anderthalb Jahren, also Ende 2015 vorliegen, wenn alles glatt läuft.

- Wie zeichnest du? Was sind deine Werkzeuge?
R.: Mit allem! Also zunächst ganz analog mit Bleistift, Pinsel, Papier, Stift, Feder und Karton, je nachdem, womit ich meine aktuelle Idee am besten umsetzen kann. Anschließend scanne ich das Ganze ein und koloriere am Computer – das hat ganz einfach den Vorteil, dass es viel schneller geht als per Hand. Ich zeichne übrigens auf A3 oder manchmal sogar auf A2-Bögen, denn einen A3-Scanner und auch einen A3-Drucker betrachte ich als Standard-Werkzeuge für professionelle Illustratoren.

- Worauf achtest du sofort, wenn du einen Comic betrachtest?
R.: Thematisch gibt es da ein breites Spektrum an Sachen, die ich interessant finde, von Liebesgeschichten über Historisches… Es muss nicht unbedingt gut gezeichnet sein, sondern eine spannende Story zu bieten haben, und das Bild muss zum Text passen. Wenn das Bild-Text-Verhältnis stimmt, eine Symbiose eingeht, passiert beim Lesen etwas mit dem Leser, dann nimmt es einen mit… [...]


Das ungekürzte Gespräch findet Ihr auf http://www.totleger.org unter dem Menüpunkt "Interviews".

Ralfs/ Comixfactorys Seite hier bei toons up findet ihr unter http://www.toonsup.de/comixfactory
 
GrBa_S - 03.10.14 23:38
Gespräch mit Corvin, Illustrator und Comic-Zeichner aus Köln. Er arbeitet mit verschiedenen Illustrationstechniken wie Acryl, Aquarell, Digital Art, Tusche, Bleistift, Farbstift oder Kreide.

- Hallo Corvin, erzähle doch bitte kurz etwas zu deinem künstlerischen Werdegang!
C: Gern! Ich habe Grafikdesign studiert und bin seit 1996 für verschiedene Agenturen und Verlage tätig gewesen. Seit 2002 habe ich dann mein persönliches malerisches Schaffen intensiviert, wobei die Bereiche „Comic“ und „Film“ zu meiner Spezialität geworden sind. Auch heute habe ich einen regulären Job in einer Werbeagentur. Ich brauche aber auch ganz persönliche grafische Herausforderungen, wo es darum geht, eigene Ideen umzusetzen, und die finde ich z.B. in meinen Comics, Illustrationen und Spieldesigns.

- Wie würdest du dich selbst dann bezeichnen? Als Künstler?
C: Also, ‚Künstler‘ empfinde ich als etwas zu überhöhten Begriff für mich. Natürlich ist mein Alltag durch die Beschäftigung mit der Malerei sehr geprägt – Illustrator trifft es als Oberbegriff eigentlich am besten, und dazu gehört auch das Schaffen als Comiczeichner.

- Was unterscheidet dich denn deiner Meinung nach von einem ‚Künstler‘?
C: Ich glaube, um sich als Künstler zu bezeichnen, muss man eine ‚Message‘ haben, vielleicht so eine Art Sendungsbewusstsein. Ich möchte aber in erster Linie schöne Sachen schaffen, die den Leuten einfach Spaß machen! Ich habe damit auch eine gute Nische für mich gefunden und bin viel auf Messen und anderen Events unterwegs. Im Horror-Bereich habe ich dabei die meisten und treuesten Fans, obwohl ich auch viele andere Sachen mache.

- Dein Schaffen ist also sehr breit und vielfältig, das kann ich ja auch an deinem Stand hier auf dem Comic-Salon ablesen!
C: Ja, ich habe mittlerweile z.B. weit über allein 100 Gemälde im Repertoire, die ich als Poster, aber auch hochwertiger auf Leinwand anbiete. Originalgemälde als Auftragsarbeiten mache ich natürlich ebenfalls gerne. Es gibt aber auch einen Trend, dem ich nicht folge, das ist die Manga-Richtung. Als Medium lehne ich diese Art grafische Literatur nicht ab, es ist bloß so, dass es in diesem Bereich schon sooo viele Zeichnerinnen und Zeichner gibt. Außerdem bin ich halt eher mit den klassischen Comics aufgewachsen und fühle mich da mehr zuhause.

- Was sind denn deine wichtigsten aktuellen Projekte?
C: Mein nächstes größeres Projekt wird ein Comic, an dem ich zusammen mit einem amerikanischen Autor arbeite, auch aus dem Horror-Genre. Ich werde das realistisch zeichnen und malen – also anders als die ersten beiden Comics „Mugwumps“ und „Wenzel“. Mehr wird aber noch nicht verraten!

- Man darf also gespannt sein! Mich interessiert aber auch noch speziell eines deiner letzten Comic-Projekte, nämlich ‚Mugwumps‘, das du zusammen mit deiner Freundin Tina Urban geschrieben und gezeichnet hast. Wie habt ihr euch denn da die Arbeit geteilt?
C: ‚Mugwumps – Sackgasse Oberbayern‘ über gestrandete Außerirdische in der bayerischen Provinz entstand einfach aus Spaß an der Sache. Die Texte haben wir beide zusammen geschrieben, bei den Zeichnungen haben wir uns abgewechselt, wir haben auch eigene Charaktere in die Zeichnungen des anderen gesetzt... Die Ideen mussten halt einfach raus! Ich habe dann im Anschluss die komplette Kolorierung übernommen, um eine gewisse Einheitlichkeit zu erreichen.

- Solche gemeinsamen Comicprojekte entstehen ja nicht an einem Tag. Wie habt ihr euch motiviert, durchzuhalten?
C: Da das Ganze neben der täglichen Arbeit stattfand, hatten wir immer Phasen, wo einer gerade gut vorankam und der Partner eher motiviert werden musste… und etwas später war es dann genau umgekehrt. Außerdem haben wir uns einfach eine Deadline gesetzt! In dem Fall war das der Comic-Salon in Erlangen 2012. Das hat auch geklappt, allerdings wie so häufig bei solchen Projekten auf den letzten Drücker – wir mussten mit dem Druck sogar in die Expressproduktion gehen!

- Und was wünschst du dir für dein zukünftiges Schaffen?
C: Dass die Leute ein bisschen mehr wahrnehmen, was ich so mache! Oft werde ich mit meinem Stand für einen Händler gehalten, und die Besucher fragen mich ‚wer ist denn der Künstler?‘ ohne zu realisieren, dass der direkt vor ihnen steht! Und dann sind sie ganz erstaunt, wenn sie erfahren, dass wirklich alles von mir ist…

- Welche Messen wirst du denn in diesem Jahr noch mit deinen Werken besuchen?
C: Zum einen die „Comic Action“ in Essen im Oktober (16. – 19. 10.), und im November stehen dann die Horrormesse – Weekend of Horrors – in Oberhausen (08.-10.11.) und die Intercomic in Köln (08.11.) auf dem Programm!

Da wünsche ich dir viel Erfolg! Und vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen im Internet:

Über Corvin:
http://www.creaturi.de
http://www.corvinscosmos.de

Über die erwähnten Veranstaltungen:
http://www.comicaction.de
http://www.comicmesse-koeln.de/
http://www.weekendofhorrors.com

Über uns:
http://www.totleger.org


 
GrBa_S - 03.10.14 23:32
Wie überleben andere Comic-Künstler? 

Wie erleben "Profis", die schon etwas länger im Zeichen-Geschäft unterwegs sind, die Comic-Szene, wie haben sie es geschafft, veröffentlicht zu werden, und womit haben sie zu kämpfen? Dazu haben wir ein paar Künstlerinnen und Künstler getroffen und befragt.
Unsere "Ergebnisse" teilen wir hier gerne mit anderen aus der toons-up-Gemeinde, die ein bisschen über den Tellerrand - oder das eigene Zeichenblatt - hinausschauen möchten, und freuen uns natürlich über Rückmeldungen!
K & B von GrBa_S
 
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